Wohnen im Alter: Senioren erwerben Genossenschaftsanteile

Wohnen im Alter: Senioren erwerben Genossenschaftsanteile
In Großstädten wie München, Berlin oder Bremen gibt es diese Wohnexperimente, für Haltern am See sind sie neu. Seit 2009 konkretisieren sich die Wohnwünsche und Projektvorstellungen von älteren Bürgern dieser Stadt. Nun rückt die Verwirklichung der Seniorenwohngemeinschaft am Hennewiger Weg 13 - 15 – dort soll das Haus entstehen – näher.
Seniorenwohnprojekt „Rund die Hälfte der Menschen über 50 hat Interesse daran, im Alter mit anderen zusammen zu wohnen“, schreibt das Bundesfamilienministerium auf seiner Homepage im Internet. Laut einer Forsa-Umfrage sind 64 Prozent der über 60-Jährigen der Meinung, es sollte auch Wohngemeinschaften für nicht mehr ganz junge Menschen geben. Und immerhin 18 Prozent können sich vorstellen, selbst in einer Wohngemeinschaft zu leben. So wie der frühere Bremer Bürgermeister Henning Scherf, der vor mehr als 20 Jahren in einem Haus in der Bremer Altstadt mit acht Leuten eine Alten-WG gründete. Über seine Erfahrungen berichtete der jetzt 75-jährige 2006 in seinem Buch „Grau ist bunt - was im Alter möglich ist“.
Im August 2013 gründeten in Haltern am See 26 Mitglieder des Vereins die Wohnungsgenossenschaft LiNa eG i.G. Der Vorstand besteht aus drei Mitgliedern früherer Arbeitsgruppen des Vereins. Für den Aufsichtsrat wurden ein Rechtsanwalt, ein Steuerberater und eine im Bereich Stadtplanung tätige Halternerin gewonnen. Ziel der Genossenschaft ist es, die Vorstellungen eines seniorengerechten Wohnprojekts zu realisieren, das durch bauliche Gegebenheiten den künftigen Bewohnern, die Mitglieder des Vereins und der Genossenschaft sein müssen, ein eigenständiges Leben in einer eigenen, altengerechten und barrierefreien Wohnung ermöglicht. „Das Zusammenleben soll gut nachbarschaftlich zwischen Bewohnern und dem Verein wie auch der weiteren Nachbarschaft erfolgen“, betonen die Mitglieder des Genossenschaftsvorstandes. Dabei werden gemeinsame Aktivitäten der Vereinsamung im Alter entgegen wirken. Daher ist ein Gemeinschaftsraum für vielfältige Angebote wichtiger Bestandteil des Projektes.
Von der Stadt Haltern wurde die Option zum Kauf eines Grundstücks am Hennewiger Weg zugesagt. Der Verkauf des Grundstücks erfolgt nur unter der Voraussetzung, dass dort ein nachhaltiges und gemeinschaftliches Seniorenwohnprojekt errichtet wird. Und: Der Grundstückskauf und die Bebauung erfolgen vorbehaltlich der Zustimmung des Stadtrates. Derzeit prüft die Verwaltung den Bauentwurf. Es gibt in den Reihen der Politiker Bedenken, dass die Bebauung nach dem jetzigen Entwurf zu groß ausfällt.
Angedacht ist ein zweigliedriger Baukörper, der über Laubengänge erschlossen, das natürliche Grundstücksgefälle nutzt, indem er zur Straße hin nur zweigeschossig erscheint. Eine optimale Geländeausnutzung erlaubt den Bau von 18 Wohnungen plus Gemeinschaftsraum. Die Wohnungsgrößen variieren von 48 m² bis zu 85 m². Die Hälfte der Wohnungen wird sozial gefördert. Der Einsatz regenerativer Energie und eine entsprechende Bauweise gewährleisten Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Es werden CO 2- Neutralität und Passivhaus Standard angestrebt. Die LiNa eG i.G. finanziert sich über Genossenschaftsanteile. Mit dem Kauf von Genossenschaftsanteilen erwirbt man Eigentumsanteile – in unserem Fall am Gebäudekomplex und dem Grundstück – nicht aber an einer bestimmten Wohnung. Wir sind somit gleichzeitig Eigentümer, Vermieter und Mieter. Eingezahlte Anteile gehen nicht verloren. Sie können selbst vererbt werden. Wer mehr Geld investiert hat, als zum Erwerb der Pflichtanteile erforderlich, kann seine Anteile veräußern oder auf ein anderes Mitglied übertragen. Ziel ist eine langfristige Geldanlage, für die nach Maßgabe der Generalversammlung eine jährliche Dividende gezahlt wird.
Kontakt: Immer am 2. Dienstag im Monat ab 18.30 Uhr findet in der Sythener Mühle, Stockwieser Damm, ein offener Stammtisch statt. Dort können sich Interessierte informieren.


Lokallust 01/2014 Seite 16f